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Die Arzneimittel-Schichten abtragen

von Patricia Maher
 

Im September 2012 kam eine Patientin namens N. mit Depressionen und Angstzuständen in meine Sprechstunde. Die 47jährige Frau kam zusammen mit ihrem Ehemann zu dem Termin. Sie machte einen benommenen Eindruck, und es fiel ihr schwer, mit mir Blickkontakt aufzunehmen. Sie konnte meine Fragen kaum beantworten und verlor immer wieder mitten im Satz den Faden, und ihr Mann musste für sie einspringen.
 
Im Verlauf der nächsten zwei Stunden half mir ihr Mann, ihre Geschichte Stück für Stück zusammenzusetzen. Vor einigen Monaten hatte sie aufgrund von Stress wegen ihrer betagten Eltern und infolge des Todes ihrer Schwiegermutter an Schlaflosigkeit gelitten. Sie hatte bereits eine lange Vorgeschichte von Depressionen und nahm seit 10 Jahren verschiedene Antidepressiva, obwohl sie bei keinem einzigen der allopathischen Mittel länger als ein Jahr blieb, weil sie danach alle „nicht mehr funktionierten“. Zum Zeitpunkt des Beratungsgesprächs war sie dabei, sich von Effexor, Xanax und Latuda zu entwöhnen. Sowohl ihr Mann als auch sie selbst machten sich Sorgen, weil sie zu viel Alkohol trank und zu viel rauchte.
Vor einigen Monaten war sie bei einem Psycho-Pharmakologen gewesen, der ihr Geodon verschrieben hatte, um ihre Schlafstörungen anzugehen. N. und ihr Mann erklärten, sie habe sich unter Geodon dramatisch verändert, sei „oberflächlich und emotionslos“ geworden. Sie wusste nicht, was sie tun sollte, und hatte keinen Draht mehr zu ihrer Familie. Ihr Mann berichtete, dass sie oft während des Abendessens mit den Kindern völlig abschaltete.
 
Vor kurzem war sie bei ihrem Hausarzt gewesen, um Unterstützung beim Absetzen von Geodon zu bekommen. Der Arzt setzte Geodon ab, gab ihr aber Latuda, ein anderes allopathisches Mittel, das eng mit Geodon verwandt ist.
 
Obwohl ich durch das Patientengespräch ein paar Informationen über Ns Leben erhalten hatte, war es praktisch unmöglich zu beurteilen, was wirklich los war. Ich erkannte, dass die Auswirkungen von Geodon und Latuda das Bild trübten, und dass ich nicht in der Lage war, ein Konstitutionsmittel zu verschreiben, bevor ich die Frau hinter dem leeren Blick erkannt hatte.
 
Bei näherer Betrachtung der Arzneimittel entdeckte ich, dass Geodon und Latuda antipsychotische Medikamente sind. Eigentlich werden sie bei Schizophrenie verschrieben. Obwohl ich keine Psycho-Pharmakologin bin, sah ich keinen Sinn darin, dieser Frau solche Medikamente zu verschreiben.
 
Da ich keinen homöopathischen Typus feststellen konnte, kontaktierte ich einen mir bekannten Psycho-Pharmakologen (1) und erhielt von ihm einige Tabletten Geodon. Ich verrieb diese zur C 3 und potenzierte sie dann mit der Korsakoff-Methode zur C 15. Nun bat ich N., täglich eine Dosis davon einzunehmen und forderte sie auf, ihrem Hausarzt zu sagen, dass er Latuda absetzen solle.
 
Zwei Wochen nach der Einnahme des homöopathischen Geodon berichtete sie, dass sie wieder viel mehr sie selbst sei; sie kämpfte zwar immer noch, war aber eher ängstlich als depressiv. Sie fuhr mit der täglichen Gabe fort, bis ich sie einen Monat später wieder sah.
In diesem Beratungsgespräch war sie völlig anders - ich konnte Ns wahre Persönlichkeit erkennen. Sie hatte eine Ausstrahlung - inmitten von Tränen und Leid konnte ich ihren ironischen Sinn für Humor und ihre Wärme spüren. Sie war nicht mehr geistesabwesend, sie war ängstlich und erregt, und sie weinte; aber dieses Mal konnte sie mir sagen, warum. Sie konnte mir in ihren eigenen Worten mehr von ihrer Lebensgeschichte erzählen, ohne dass ihr Mann für sie sprechen musste.
 
Als ihre Geschichte Gestalt annahm, wurde es deutlich, dass diese streng katholische Mutter von sechs Kindern sich von ihren eigenen Eltern verlassen fühlte: „Was ich auch mache, ich kann die Liebe meiner Eltern nicht erringen.“
 
Und was vielleicht noch wichtiger war – sie fühlte sich auch von ihrem Gott verlassen. Früher war sie täglich zur Kirche gegangen und hatte gebetet, aber nun fühlte sie sich von Gott verlassen und betete kaum noch. Als sie das letzte Mal den Rosenkranz aufsagte, musste sie erbrechen, weil sie auf Xanax-Entzug war. Sie fühlte sich schuldig, weil sie vor der Geburt ihres letzten Kindes eine Abtreibung hatte. Damals hatte sie das Gefühl, sie würde eine weitere Schwangerschaft körperlich nicht durchstehen. Nach der Abtreibung beschrieb sie sich selbst als ein Wrack; sie konnte nicht mehr aufhören zu weinen. Sie war streng katholisch erzogen und blieb als Erwachsene praktizierende Katholikin. Sie bereute die Abtreibung entsetzlich, und damals hatte ihr der Arzt begonnen, ihr Antidepressiva zu verschreiben. N. sagte, sie fühle, dass sie gesündigt habe, obwohl sie damals zur Beichte gegangen war.
 
Verordnung: Kalium bromatum C 12 täglich
 
Ich warte darauf, dass sich mir Ns Geschichte noch detaillierter enthüllt. Ich vermute, dass es noch mehr Arzneimittelschichten aufzudecken gibt.
 
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(1) Psychiater, der sich auf medikamentöse Behandlung spezialisiert hat
 
Foto: Wikimedia Commons
Martine Bijl; TROS
 
Kategorie: Fälle
Stichwörter: Depression, Angst, Antidepressiva, Medikamente, oberflächlich, emotionslos, verlassen, Gott, Schuld
Mittel: Kalium bromatum

 




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